Die Bedeutung der Musik der Zukunft ist es, ein Neues Bewusstsein auszudrücken. Ein Bewusstsein, das so weit ist, dass es die ganze Welt in einem Augenblick erfassen kann, ein Bewusstsein, das mit jedem Erlebnis wächst, mit jeder Erfahrung der Unendlichkeit entgegen geht. Doch was wird dies Neue Bewusstsein sein, dem wir entgegen gehen wollen. Und wozu so viel Aufwand? Der Aufwand ist nötig, weil wir an unsere Grenzen gestoßen sind. Noch mehr als sich in alle Richtungen drehend, sich innerhalb dieser Grenzen zu bewegen, brauchen wir nicht. Es führt zu nichts Neuem. Das haben wir alles schon zur Genüge ausprobiert. Immer und immer wieder. Ein Bewusstseinsfortschritt wäre es, die Grenzen zu überschreiten. Was nicht schwierig ist. Denn wenn wir Jahrhunderte lang so gelebt haben, dass alles festgelegt zu sein hat und ein menschliches Ego oder ein menschlicher Geist sagt, wie die Sache zu laufen hat, wäre die nahe liegendste Möglichkeit, anders zu sein als festgelegt und selbstbezogen. Welche Möglichkeiten liegen vor uns?
Wenn wir nicht der Mittelpunkt des Universums sind und wir die Fehlschläge von Religion, Staat und Gesellschaft bereits ausgekostet haben und unzufrieden aus dem Ergebnis hervorgegangen sind, liegt die Lösung offensichtlich woanders. Die Lösung liegt greifbar nahe: Es ist ein Neues Bewusstsein, das nicht abgetrennt vom Rest der Welt ruhelos umherirrt, sondern weiß, dass wir alle aus dem gleichen Meer der Liebe entstanden sind.
Einem Atheisten könnte man sagen, dass es ein höchstes gutes Bewusstsein gibt, das die ganze erschaffene Welt ist und sich in vielfältiger Lust ausdrückt, so wie dieses höchste Bewusstsein sich grenzenlos beschleunigt und genauso lustvoll in allem nicht Erschaffenen lebt, jenseits davon, inmitten, weder noch und doch alles und auch alles das nicht ist. Scheinbar ein unüberblickbares Chaos und doch eine anregend süße Bewusstseinsordnung des Unverständlichen, sich ständig Erneuernden und Umwandelnden, sich in sich und Aus-Sich-Heraus-Bewegenden, das alles gleichzeitig ist und doch nicht jedes vollständig. Nur vollständig in der Sich-selbst-Bewegung.
Einem Nicht-Atheisten würden wir sagen: “Diese Welt in seiner Ganzheit und mit all seinen Geschöpfen und allem noch nicht Erschaffenen ist das Göttliche”. Nur diese einzigartige Schöpfung Mensch scheint das noch nicht bemerkt zu haben. Blind, taub und unwissend krebst sie in ihrem eigenen Sumpf größenwahnsinniger Dummheit herum und hält es nach wie vor für nötig, Krieg zu führen und hält es für eine Leistung, aus Rache, Neid oder Hass zu handeln.
Wenn die Kunst der Zukunft ein neues Bewusstsein ausdrücken soll, so wird sie selbstverständlich auch ein neues Leben mit sich bringen. Denn keine Kunst kann unabhängig vom Leben existieren. Denn Kunst kann immer nur soviel geben und zeigen, wie wir sind. Sie ist wie ein Spiegel. Es liegt an uns, ob sie unsere Abgründe zeigt oder das Licht, das wir genauso in uns tragen. Je weiter wir unser Bewusstsein mit einer Zukunft einen, die so weit ist, dass sie die Welten des Himmels mit den Welten der Erde verbinden kann, oder einfacher ausgedrückt, eine Zukunft der Liebe, der Freude, des Friedens des ungetrübten Glücklichsein, eine Zukunft, die das Paradies auf Erden sein könnte, um so mehr wird sich dieses Bewusstsein in der Kunst ausdrücken. Wir wollen nicht in die Vergangenheit, sondern in die Zukunft. Doch nicht in eine Zukunft von Armageddon, sondern in die Zukunft einer neuen Welt, wo wir alle in Liebe und Frieden zusammen leben können, zusammen mit allen Lebewesen auf diesem Planeten. Keine Angst mehr, kein Krieg, kein Elend, kein Misstrauen, kein Verrat an sich selbst und anderen, sondern ein glückliches, friedliches und kreatives Leben der Liebe und Freiheit.
Die Kunst der Zukunft wird den Welten dieses Neuen Bewusstseins nicht nur Gestalt verleihen, sondern die Kunst der Zukunft wird eine Einkörperung und Verwirklichung dieses neuen Bewusstseins sein. Sie wird der Pionier einer neuen Welt sein, die beginnt auf unserer Erde Wirklichkeit zu werden.
Die Musik des Neuen Bewusstseins wird in ihren Klängen die Atmosphäre dieser neuen Welt verkörpern, so dass es einfacher sein wird, diese neue Welt wahrzunehmen und zu fühlen. Wie ein Regentropfen, der in einen See fällt und die Wasseroberfl äche bewegt und in Schwingung versetzt, so kann Musik die Welt, in der sie gehört wird, durch ihr Eigenleben beeinfl ussen und in Schwingung versetzen. Wenn Musik es vermag, uns in kosmische Weiten zu entführen, dann kann sie es nur deshalb, weil der Künstler das, was wir durch die Musik erleben, in sich trägt. Kunst ist ein Bewusstseinsprojektor, der das wiedergibt, was wir schon erreicht haben. Musik und Dichtung können uns eine Welt bringen, die über das gewöhnliche Leben der Gewohnheiten hinausführt. Künstler, die es wirklich verstehen, können uns durch ihre Musik ein anderes Leben und eine andere Welt wahrnehmen lassen. Und wer einmal den Honig und die Träume einer neuen Welt gekostet hat, weiß, dass mehr möglich ist. Das Leben endet nicht mit unseren Träumen, sondern beginnt dort, und dort beginnt auch der Weg, diese Träume zu verwirklichen.
Musik ist die Schwingung des Lebens, die Schwingung der Liebe, des Einsseins. Der Rhythmus der Musik ist der Herzschlag des Lebens, das Pochen der Geheimnisse, die Energie, die uns erbeben lässt. Es ist ein Feuer, das in uns brennt und uns vorwärts stößt in das Unbekannte, in das Haltlose. Es ist die Kraft einer neuen Welt, ungestüm, wild, herausfordernd. Wir sind gefragt. Denn jeder Künstler erwartet als Mindestes von uns, dass wir lebendig sind.
Und die Dichtung?
Sie ist wie ein Zauber und enthüllt noch Ungesehenes.
Dichtung kann so intim sein, sie kann so tief gehen, dass sie uns sowohl berühren als auch erschüttern kann, sie kann uns in ihre Magie entfüh ren, uns aus Spaß verwirren durch Paradoxe oder einfachen Unsinn oder die Träume einer subtileren Welt nahe bringen. Musik und Dichtung vereint ermöglichen es uns, unsere Geschichten erlebbar wie ein Film zu machen. So können wir wieder heldenhafte Krieger sein, die mutig die Welt retten oder zärtliche Liebende, die der Welt etwas mehr Glück und Freude schenken oder kühne Pioniere, die das Unbekannte erforschen oder jene Weisen, die das Licht sehen können, noch bevor es kommt. Und plötzlich ist unser Leben wieder kostbar und reich an Schätzen der Erfahrung. Und ist nicht letztlich dies die Aufgabe der Musik und Dichtung der Zukunft, unser Leben in eine neue Welt zu tragen, eine Welt der Hoffnung, des Lichts, des Friedens und der Liebe?
© Mirakali, aus ihrem Buch „Mirapuri und die Zukunft“
(CyberSamurai.net hat die Erlaubnis der Autorin, diesen Text zu veröffentlichen!)