Draußen wo die Sonne flimmert,
wo der Sand im Winde wimmert
Stürme durch die Schluchten zieh’n.
Wenn die Geier lautlos kreisen
und die Hitze glüh’ndes Eisen
weicht das Leben vor dem Tod.
Keine Blume blühet dort,
alles Schöne fliehet fort,
suchend nach dem Paradies.
Doch wer weiß schon wo es liegt?
Glück uns aus den Händen fliegt,
nie zu fassen, stets voraus!
Durch die Öde tönt Geläut,
wie Wahn in weiter Ferne.
Der Wanderer den Wagsinn ’reut,
denn kalt leuchten die Sterne.
Untier raschelt im Gebüsch,
zitternd schreitet sie voran,
doch sie glaubt ihr Mut sei frisch
und so jeder reisen kann.
Und sei es eine Illusion,
dass ich stark und dass ich frei
viele zehren nur davon.
Bringt man ihnen früh schon bei,
dass sie sich nicht trauen dürfen.
Einbildung, das höchste Maß.
Viele falsche Tränke schlürfen
wie ich neulich wieder las!
So läuft sie nun und denkt:
Nur Vernunft ist mir geblieben,
nichts weiter wurde mir geschenkt
und niemals werde ich noch lieben.
Soll mich doch der Löw’ zerreißen,
sich den Bauch und Magen füllen,
mich in Einzelteile spleißen,
mir wird sich nichts mehr enthüllen!
Weiter wandert Abara
durch die finst’re, schwarze Nacht
und kein Glück ward bei ihr da
niemand hat ihr Heil gebracht.
Finden wollt’ ich hier und jetzt
meine Seele, wahres Ich!
Einsam bin ich nun zuletzt
und kenne schlechter nur noch mich.
Ins Gras lässt sie sich zweifelnd sinken
hadernd mit der ganzen Welt,
wo die Abenteuer winken
aber ihr doch nichts gefällt.
Wo die Düfte lockend wehen,
wo das Auge Süßes schaut,
wo alle Sorgen rückwärts gehen,
wo das Unheil heimlich braut.
„Ach wär’ ich doch schon lange tot!,
wie das trock’ne Gras bei mir.
Gelbes Gras so färb’ dich rot
und labe dich, du Nachtgetier!“
Hab ich da nicht was gehört?
Ruft da einer gar nach Mord?
Soll ich’s wagen oder nicht?,
zögernd öffnet er ein Auge.
Sie will, dass ich ihr Blut aufsauge!
Darauf bin ich wohl erpicht,
seit Tagen knurrt mein Magen schon.
Für mein Warten kommt der Lohn!
Also stiehlt er sich vom Ort,
durch die Nacht tönt sein Gebrüll.
Alles rennt als wär’ es toll,
und jaget fort - fort – fort!
Die Welt erzittert vor dem Tier
das da kommt in seiner Gier
und lechzt nach frischem Menschenblut.
Wohl zittert sie vor Abara,
die niemals wirklich glücklich war,
die flehend dort im Mondschein liegt.
Dunkle Furcht schwebt über ihr,
macht sie schwach und tötet schier.
Schrecken kommt aus den Gedanken,
lässt Abara zu Boden gehen.
Sie kann die Welt nur trostlos sehen,
obwohl das gar nicht nötig wär’.
Ängstigt sich vor übermorgen,
macht sich um ihr Leben Sorgen,
obwohl es nicht lebendig ist.
Tieren ist das nicht bekannt,
sie leben stets nur im Moment,
erleben jeden Augenblick.
So kann der Löwe fröhlich springen
und sollte das auch Unglück bringen,
da hatte er doch was er will.
Freude ist bei ihm ganz rein,
bei Angst mag’s wohl genauso sein,
doch er denkt nicht drüber nach.
So kann der Löwe alles wagen
ohne hinderliche Fragen.
Ist stärker als die Abara.
Ein Häuflein Elend in der Nacht,
Heute wird’s mir leicht gemacht!,
freut er sich uns springt herzu.
stürzt sich auf die Abara,
die so hilflos vor ihm war,
starr, in todesgleicher Ruh.
Der Löwe will sie völlig schmecken,
ihr warmes Lebensblut auflecken,
will sich freuen an dem Schmaus,
der ihn eingeladen hat,
solcher macht am besten satt.
Gleich ist’s mit dem Hungern aus!
Schon kann sie den Atem riechen,
die schimmernd weißen Zähne sehn
Will nun doch zur Seite kriechen
und nicht aus dem Leben gehn
„Nein!“, ruft plötzlich Abara
„ich will liebend glücklich sein!
Jetzt seh’ ich endlich wieder klar
und ich will lebendig sein!“
Flehend streckt sie ihre Hand
gibt dem Löw’ sich selbst zum Pfand
sollt sie nochmals Irrsinn denken
Weint um Leben weint um Liebe,
dass der Löwe beides gebe
und verschont, dies eine Mal!
Mit Staunen sieht sie Zähne weichen
eine Tatze zu ihr reichen
Freundschaftsgeste wunderbar
Ihr Herz macht einen Freudensprung,
Abara ist endlich jung!
Sieht Freundschaft in des Löwen Augen
Und der Löwe kommt zu ihr:
„Ich liebe dich, so komm mit mir,
setze dich auf meinen Rücken
Wir wollen weit zusammen reisen
Auf den Tatzen, meinen leisen
in ein schönes fernes Land
wo reines, klares Wasser fließt
und du keine Not mehr siehst
Wo alle wunschlos glücklich sind!“
„Lass uns dieses Land erkunden
hier hab ich mein Glück gefunden
sollen alle mit uns jubeln!“
Sie sehen sich ins warme Herz
und niemals gibt es wieder Schmerz
Verstehen sich auf einen Blick
Der Morgen scheint am Horizont
endlich haben sie erkannt
was wahre Liebe wirklich ist!
„Siehst du die Gazellen dort
an dem wunderbaren Ort?“
„Lass uns zur Oase gehen!“
Palmen wehen leicht im Wind
friedlich spielt ein kleines Kind
am leuchtend blauen Wasserloch
Gras leuchtet ihnen grün entgegen
reich ist hier der Lebenssegen
Still laufen sie zum Zauberort
Unendlich Freude leben sie
genießen Leben wie noch nie
tollen durch das Glück allein
Still wächst die Oase weiter
und nur selten kommt ein Reiter
kann’s nicht glauben und zieht fort
Gras wird dichter
Freude lichter
Größer wird der Blumenteppich
und das Dunkle ganz verschwand
Freude alles an sich band
und die Wüste wandelt sich
Immerweiter strömt das Glück
erobert alles Stück für Stück
Abara denkt sich versonnen:
Wie gut ist es für diese Welt
das alle Herzen lachen können
und Streit nicht mehr dem Mensch gefällt
Wir haben damit angefangen
gemeinsam haben wir geweint
als die Vögel noch nicht sangen,
nun ist alle Welt vereint
Wenn einer anfängt kommen alle
und es muss nur einer tun
dann folgen sie dem Freudenschalle
wir müssen nicht im Unglück ruhn!
Beide wandeln sich zusammen
dürfen nach den Sternen langen
werden Menschen, wunderbar
Alle kommen in dies Land
helfen, leben, freuen sich
weiten die Oase aus
Tragen in den Stapfen Freude
Blumen für die ganze Welt!
Und in einer Wundernacht
ist alles Glück der Welt erwacht
Herzen jubelnd miteinander tanzen
alles leuchtet alles strahlt
allein mit Liebe ist’s gemalt!
(© 2006, Geschichten-Fee Juliane)
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